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Kunst u. Kulturschaffende
Das Flaurlinger Haus Neunergasse Nr.9, unmittelbar an die Nordseite der Pfarrkirche angrenzend, macht mit seinem markanten Hofbogen, dem wuchtigen Erker, dem reich verzierten und verschalten Giebelbundwerk, dem medaillonförmigen Fresko (Mariä Verkündigung) und der sonstigen Fassadenmalerei nicht den Eindruck eines Bauernhauses. Lediglich der separat errichtete Wirtschaftsteil, ebenfalls verschwenderisch mit Ziergiebelbundwerk geschmückt, verrät die spätere Funktion des alten Widums von Flaurling.
In einem Kaufbrief von 1320 ist erstmals ein Widum in Flaurling erwähnt. Damals war Pfarrer Marquard von Grins als erster Kirchherr in Flaurling (1306–1324) tätig. 1416 soll sich hier der Tiroler Landesfürst, der Habsburger Friedrich IV., besser bekannt als „Friedl mit der leeren Tasche“, auf der Flucht von Konstanz kommend, versteckt gehalten haben, bevor er sich der größeren Sicherheit wegen auf die Rofenhöfe ins hinterste Ötztal zurückzog.
1479 bis 1500 beherbergte das alte Widum den wohl berühmtesten Flaurlinger, den Pfarrherrn Sigmund Ris, 1431 in Sterzing geboren, Hofkaplan von Erzherzog Sigmund, hochgelehrt und kunstverständig. 1500 übersiedelte dieser in das heutige Widum im „Ris-Schloß“. Er starb 1532 im Alter von 101 Jahren. Sein Familienwappen ist seit 1982 das Flaurlinger Gemeindewappen.
1616 ließ die Pfarre mittels einer Getreidestiftung aus einem Zugebäude eine Lehrerwohnung errichten. Der südseitige Zubau wurde später zum Mesnerhaus. Ein späterer Besitzer des alten Widums mit dem Namen Neuner soll der damaligen Gasse ihren heute noch gültigen Namen gegeben haben: Neunergasse.
Die Inschrift am Giebelbrett des Mugeler-Hauses Richtung Neunergasse lautet:
AMANDUS KAIN 1707 SEVERINUS MAIR MB MK.
1977 wurde das ehemalige Widum (Hausnamen „Mugeler“) vom Bundesdenkmalamt unter Hofrat Menardi unter Denkmalschutz gestellt. Nicht nur wegen seines Äußeren sondern auch zwecks Erhaltung der wuchtigen Tonnen- und der schlanken Stichkappengewölbe in seinem Inneren.
Eine umfassende Gesamtrenovierung erfolgte in den Jahren 1982/83, also vier Jahre vor Beginn der Flaurlinger Dorferneuerung: Neue bleiverglaste Fenster, Innenisolierung, Zentralheizung, neue Böden und Türen, Wiederherstellung der zwischenzeitlich übermalten Fassadenmalerei mit Eckquadern und Fensterumrahmung sowie Renovierung und Konservierung des Freskos.
Gemeinsam mit dem 1987 renovierten angebauten Mesnerhaus ist das Mugelerhaus ein ortsbildprägendes Ensemble im alten Flaurlinger Dorfzentrum. Text und Bilder: Chronik Flaurling
Mugelerhaus nach der Renovierung
Fresko
Mariä Verkündigung
Mugelehaus und
alter Widum
Aquarell von B. Matt